Kryptowährungen

Warum der Bitcoin-Kursrückgang weniger beunruhigend ist als bei Altcoins

Der Rückgang des Bitcoin-Kurses um 50 % könnte im Vergleich zu anderen Altcoins harmlos erscheinen. Ein Blick auf die Märkte zeigt tiefere Abgründe bei vielen Kryptowährungen.

vonSophie Hoffmann16. August 20263 Min Lesezeit

Eine kleine Klientel versammelt sich in einem verrauchten, gedämpft beleuchteten Raum. Die meisten von ihnen starren auf ihre Bildschirme, die mit roten Zahlen überflutet sind. Aus einem Lautsprecher dringt eine Stimme, die den aktuellen Bitcoin-Kurs verkündet: ein Rückgang um 50 %. An einem anderen Ende des Marktes schockiert eine andere Stimme, die über einen Altcoin spricht, dessen Wert um 90 % gefallen ist. Wenn man die beiden Szenen vergleicht, scheint das Geschrei um Bitcoin fast schon naïv zu sein.

Bitcoin: Der sichere Hafen der Volatilität

Bitcoin, als älteste und bekannteste Kryptowährung, hat sich im Laufe der Jahre als eine Art „sicherer Hafen“ in der turbulenten Welt der digitalen Währungen etabliert. Der Rückgang um 50 % mag dramatisch erscheinen, insbesondere für diejenigen, die in den letzten Monaten investiert haben. Dennoch bleibt der Preis von Bitcoin immer noch deutlich über den Tiefstständen von vor zwei Jahren. Wer in Bitcoin investiert, kann es sich im Allgemeinen leisten, die Marktschwankungen mit einer gewissen Gelassenheit zu betrachten.

Im Gegensatz dazu werden die meisten Altcoins als riskantere Wetten betrachtet. Ihre Preisschwankungen sind oft unberechenbarer und brutal. Ein Rückgang um 90 % mag in der breiten Öffentlichkeit nicht so viel Aufsehen erregen, aber für die betroffenen Investoren fühlt es sich wie ein finanzieller Tsunami an. In diesem Markt gibt es keinen Platz für sentimentales Geplänkel; hier kann sich die Zahl in Sekundenschnelle in einen verheerenden Verlust verwandeln.

Die psychologische Komponente der Investmentpsychologie

Ein weiterer Aspekt, der zu beachten ist, ist die psychologische Komponente der Investoren. Der Bitcoin-Investor hat oft eine andere Denkweise als der Altcoin-Investor. Während der erste häufig ein langfristiges Engagement und eine gewisse Geduld mitbringt, setzen viele Altcoin-Investoren auf schnelle Gewinne. Diese Herangehensweise kann zu impulsiven Entscheidungen führen, wenn der Markt kippt. Der Bitcoin-Anleger hingegen könnte in einem Moment wie diesem kommunizieren, dass man stark bleibt und geduldig abwartet.

In der Welt der Kryptowährungen gibt es zahlreiche Ratgeber, die das Investieren in Bitcoin als eine Art Marathon und das Investieren in Altcoins als Sprint beschreiben. Ein Marathonläufer, so die Theorie, hat das Training und die mentale Stärke, um auch lange Strecken zu bezwingen. Altcoin-Anleger hingegen scheinen oft auf das nächste große Ding zu setzen, bequem unter der Annahme, dass jeder Hype lange anhält. Und genau in diesen Momenten der Unsicherheit zeigt sich, wer wirklich die Ausdauer hat.

Eine Frage der Diversifikation

Die weiteren Risiken werden durch die Begrenztheit der Altcoins im Vergleich zu Bitcoin verstärkt. Wenn Bitcoin der „Goldstandard“ der Kryptowährungen ist, dann sind viele Altcoins eher wie experimentelles Silber, das mit einer Vielzahl von Risiken behaftet ist. Ein weiterer Rückgang bei einem Altcoin könnte dazu führen, dass ganze Portfolios schmelzen wie Schnee in der Sonne. In diesem Kontext wirkt der Bitcoin-Rückgang nicht mehr wie der Untergang des Abendlandes, sondern wie ein kleiner Dämpfer in einer ansonsten stabilen Bilanz.

Die Diversifikation ist in der Welt der Kryptowährungen nicht nur ein Schlagwort, sondern eine Überlebensstrategie. Für Investoren, die in eine Vielzahl von Altcoins investiert haben, kann ein solch brutaler Rückgang ein existenzielles Risiko darstellen. Bitcoin hingegen bietet eine Art Schutzpolster - zumindest in den Augen seiner loyalen Anhänger.

Diejenigen, die den Bitcoin-Berg erklimmen, können sich auf die Fundamentaldaten stützen; das Netzwerk ist ausgereift, die Nutzerbasis wächst und die Akzeptanz als Zahlungsmittel ist nicht mehr zu ignorieren. Altcoins hingegen sind oft durch ihre Innovationsfreudigkeit und manchmal auch durch experimentelle Technologien geprägt, die effizientere oder schnellere Transaktionen versprechen, jedoch mit hohen Unsicherheiten verbunden sind.

Die Komplexität des Marktes lässt sich nicht auf einfache Formeln reduzieren. Dennoch bleibt die Abkehr von Bitcoin über 50 % eine Art „luxuriöse Unannehmlichkeit“. Für viele Altcoin-Anleger hingegen, die sich mitten in einem freien Fall befinden, können die 50 % wie eine heilsame Erinnerung erscheinen, dass im Krypto-Markt nichts sicher ist und die Rettung vielleicht weit entfernt ist.

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